Aktuell

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Wenn’s gut werden muss

08.06. — 22.09.2024

Wenn's gut werden muss | Paul Czerlitzki, Elmgreen & Dragset, Gina Folly, Andreas Gursky, Gregor Hildebrandt, Christian Jankowski, Alicja Kwade, Anselm Reyle, Michael Sailstorfer, Roman Signer, Erwin Wurm und He Xiangyu | 08.06. — 22.09.2024
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Artists

Paul Czerlitzki, Elmgreen & Dragset, Gina Folly, Andreas Gursky, Gregor Hildebrandt, Christian Jankowski, Alicja Kwade, Anselm Reyle, Michael Sailstorfer, Roman Signer, Erwin Wurm und He Xiangyu

Die Gruppenausstellung Wenn’s gut werden muss vereint Werke der Künstler*innen Paul Czerlitzki, Elmgreen & Dragset, Gina Folly, Andreas Gursky, Gregor Hildebrandt, Christian Jankowski, Alicja Kwade, Anselm Reyle, Michael Sailstorfer, Roman Signer, Erwin Wurm und He Xiangyu. Der Titel, der auf den Werbeslogan der Baumarktkette Bauhaus anspielt, bezieht sich auf die in den ausgestellten Werken verwendeten alltäglichen Gegenstände aus dem Baumarkt sowie auf die damit assoziierten Materialien.

Über den Werbeslogan hinaus überträgt sich der Ausstellungstitel auf einer inhaltlichen Ebene auf die ausgestellten Werke – diese bedienen sich einfach zugänglichen Materialien, wie sie im Baumarkt zu finden sind und erheben diese durch Kontextualisierungen auf eine weitere Ebene. Die Ausstellung präsentiert vielfältige Herangehensweisen der Künstler*innen, von gezielter Nutzung und Hervorhebung des Materials bis hin zum Ready-Made, der Verwendung des Materials, als es selbst. Es kommen Dachlatten, Duftspender, Neonröhren, Schläuche, Balken, Böcke, Zollstöcke sowie Parkettstäbe zum Einsatz.

Die Themen der Revitalisierung einer Einzelhandelsfläche und des Leerstands im Dorfkern sind nicht nur im Umbau präsent, sondern spiegeln sich auch in der Ausstellung wider. Die Fläche ist noch so, wie die Sparkasse den Ort verlassen hat. Die Wiederverwendung von Materialien bezieht sich somit auch auf den Raum: Es finden sich Überreste der vorherigen Nutzung, Bezugnahmen auf diese sowie Hinweise auf den Renovierungsprozess der Räumlichkeiten. Es stellt sich die Frage, ob Umbauten stattfinden, beim Auszug Gegenstände zurückgelassen wurden oder ob der künstlerische Rahmen Teil eines größeren Kontexts ist. Die Ausstellung vereint Arbeiten von international renommierten Künstler*innen, die mit Baumarkt-üblichen Artikeln arbeiten und diese (de-)kontextualisieren. Während Gina Folly Samenmischungen nutzt, arbeiten Elmgreen & Dragset mit Stuck, Anselm Reyle mit LED-Röhren und Holzböcken, He Xiangyu nutzt eine Glühbirne und Roman Signer einen Schlauch. Eine Nachgestaltung dieser verwendeten Materialien findet bei Alicja Kwade statt – eine Holzlatte wird in Bronze reproduziert und ein Zollstock mit Einkerbungen versehen. Paul Czerlitzkis Wandmalerei steht im Kontrast zu seiner allgemeinen Praxis der reduzierten abstrakten Malerei. Dabei fasziniert nicht nur die Abwendung von der gewohnten Nutzung, sondern auch die Deutungen und Umgestaltungen der Materialien durch die Aufhebung von vorgegebenen Parametern, ein sogenanntes déplacement.

Das déplacement der Ausstellung ist auch Teil der Räumlichkeiten einer ehemaligen Sparkassenfiliale des Kunstvereins. Die Fläche ist noch so, wie die Sparkasse den Ort verlassen hat, und stellt einen Kontrast zu den künstlerischen Interventionen dar. Sobald man den Kunstverein betritt, nähert man sich Erwin Wurms 2 Buckets, One Minute (1998/2016), Teil seiner Werkserie One Minute Sculpture, die er seit fast 30 Jahren produziert. Die Arbeit, die auch von draußen durch das Schaufenster und die Tür sichtbar ist, lädt Ausstellungsbesucherinnen aktiv ein, für einen Moment selbst performativ zur Skulptur zu werden. Nicht handelsübliche Objekte werden in dieser Arbeit rekontextualisiert, sondern die Körper der Besucherinnen selbst. Eine Anleitung zur Arbeit gibt einen gewissen Rahmen für den Umgang der Besuchenden mit dem Podest und den zwei 10L Farbeimern vor.

Nicht performativ, sondern durch einen verströmten Duft nimmt Michael Sailstorfers Andy Warhol trägt Parfüm (2007) den Raum ein. Das günstige Material, das einen raststättenähnlichen Toilettengeruch verströmt, wirkt, als sollte es etwas übertünchen und verdecken – und so hat auch Warhol seine Parfümobsession verstanden, als etwas, dass sein in seinen Augen mittelmäßiges Aussehen verdecken sollte. Gleichzeitig verstand Warhol den Geruchssinn als Möglichkeit, nur für einen Moment spezifische Erinnerungen wieder aufleben zu lassen und über diesen Rückgriff die Kontrolle zu behalten. Warhols Verständnis von Parfüms kann durchaus als materielles Interesse verstanden werden, so wie in einem Parfümforum ein Autor seine Liebe zu Parfüms folgend kategorisiert: I like the way he puts the perfume names in quotations, as if they were titles of books or movies. Zusätzlich kann Sailstorfers Arbeit auch als eine kritische Auseinandersetzung mit dem Wert von Warhols Readymades verstanden werden.

Gegenüber davon befindet sich die Arbeit Historical Detail, Fig. 6 (2016) von Elmgreen & Dragset. Das Werk, das aus einem Stapel Stuck besteht, wird durch zwei Bänder zusammengehalten. Durch die verschiedenen Weißtöne der einzelnen Stuckstücke entsteht eine Komplexität der Arbeit, die sich in der Ausstellung besonders durch die historische Nutzung von Stuck zur Verdeckung von Konstruktionen bedingt. Hier dient ein Zeichen für Klasse und Wohlstand schlussendlich nur als Mittel zum Zweck.

Genauso auf den Raum bezogen ist die Arbeit Anselm Reyles Untitled (2024), ein Neonherz, das sich am Ort des ehemaligen Geldautomaten der Bankfiliale befindet. Die Arbeit wirkt wie ein Überbleibsel der veränderten Funktion der Räumlichkeiten. Der rudimentäre Raum, in dem sich früher der Geldautomat befand, strahlt nun in einem neuen Licht. Anselm Reyles Installation erinnert dabei nicht nur an die vergangene Nutzung des Ortes, sondern greift auch die Ästhetik der ehemaligen Leuchtreklame auf.

Alicja Kwades Arbeit Option (option) (2014) besteht aus zwei Latten, einer aus Holz und einer Reproduktion dieser aus Bronze. Hier werden nicht nur Fragen nach Reproduktion und Dopplung aufgeworfen, sondern auch eine kritische Auseinandersetzung mit Wertvorstellungen von Materialien sowie dem Finanzsystem und dessen Bestimmungen von Wert thematisiert. Auf der Wand über dem Werk befindet sich der Abdruck eines Kreuzes, ein Relikt der Sparkassenfiliale im katholischen Bayern, welches ebenso mit den vorhandenen Wertvorstellungen spielt.

Eine direkte Auseinandersetzung mit der eigenen Praxis ist Anselm Reyles Bar (2023). Hierbei handelt es sich um handelsübliche Böcke, auf denen er seine Malereien im Trocknungsverlauf abstellt, sodass diese Spuren des Arbeitsprozesses in Form von Farbresten erhalten. Im Nachgang legt Reyle eine Platte über die Böcke, um diese in einem DIY-Vorgang als Bar nutzen zu können. Eine weitere in der Ausstellung enthaltene Arbeit Reyles ist die aus LED, Kunststofffassung, Kabel und Kette bestehende Skulptur Untitled (2024). Der Künstler erstellt eine (zeichnerische) Anleitung für den Kauf der Materialien und den Aufbau der Arbeit. Während die Materialien leicht zugänglich sind, wird der Aufbau durch die komplexe Komposition der Lampen erschwert – die Skulptur hält sich in einem Kippmoment selbst.

Ebenso wie die Aura des Parfüms von Michael Sailstorfer und die zugängliche Bühne von Erwin Wurm setzt sich auch He Xiangyus Arbeit Sorry (2024) mit kulturellen Werten und Normen und dem Konstrukt von Sprache als Zugang auseinander. Die nebeneinander hängenden Arbeiten Ohne Titel I (1993) von Andreas Gursky und Sorry (2024) von He Xiangyu verbinden die Nutzung von handelsüblichen Objekten und Materialien mit einer politischen Sphäre. He Xiangyus Werk ist eine Iteration seiner Werkserie „I’m Sorry“, deren Titel sich aus seiner Erfahrung als in den USA lebender Künstler mit mangelnden Englischkenntnissen bezieht. Das in den 1980er Jahren veröffentlichte Buch Politeness: Some universals of language use hat ein Höflichkeitsmodell vorgestellt, das die Freundlichkeit der US-Amerikaner*innen erläutern soll. Xiangyus beschäftigt sich von dieser Freundlichkeit ausgehend mit der kulturellen Bedeutung von Sprache und Kommunikation sowie mit Privatsphäre und dem Verweigern von Zutritt. Die ausgestellte Glühbirne diente ursprünglich in einer früheren Iteration dieser Arbeit als ein leuchtender Türgriff; zu heiß, um angefasst und heruntergedrückt zu werden. Andreas Gurskys Fotografie zeigt hingegen den Teppich des Bundestags, eine Aufnahme, die fast wie ein Versehen wirkt und keinerlei Schlüsse zur politischen Lage ermöglicht.

Im zweiten Raum, dem ehemaligen Kundenbüro, bedeckt Gregor Hildebrandts Parkett (2009) aus Kassettenbändern den Boden. Jeder Raum, der mit seinem Parkett ausgestattet wird, symbolisiert ein Lied. Christian Jankowski Videoarbeit Bodenarbeit (Groundwork) (1993) macht ähnlich wie Anselm Reyles Bar Arbeitsprozesse sichtbar. Das Video zeigt den korrekten Gebrauch einer Schleifmaschine, demonstriert auf dem Holzfußboden des Raumes K22 der Hochschule für bildende Künste Hamburg, die den Studierenden der Klasse Franz Erhard Walthers als Atelierraum diente. Der Boden sollte so von den Rückständen der Arbeiten befreit und für die kommende Jahresausstellung der Studierenden vorbereitet werden. Dadurch, dass das Video neben der künstlerischen Arbeit Hildebrandts auch einen kommerziellen Nutzen als Werbevideo für den Verleihbetrieb dieser Maschinen darstellte, verschwimmen die Grenzen zwischen angewandter und bildender Kunst.

Paul Czerlitzki in situ Wandmalerei Untitled (2024) im Flur des Kunstvereins spielt mit den vorhandenen Gebrauchsgegenständen, die Rückschlüsse auf die vorherige Nutzung der Räumlichkeiten sowie auf die Renovierungsprozesse durch Taps und Markierungen zulassen. Durch das Fehlen der Leinwand entsteht eine historisch traditionelle Auseinandersetzung mit Malerei, die oftmals auch in alten Gebäuden durch Renovierungen wiederentdeckt wird, sowie gleichzeitig die Generierung von Malerei als skulpturales Element. Das normalerweise nicht sichtbare Baumarktmaterial wird hier Teil der Arbeit. An der Wand gegenüber hängt Alicja Kwades Meta-cm gelb (0-20 cm) (2018), die sich mit der Hinterfragung von gesellschaftlich anerkannten Systemen, wie Längeneinheiten oder Zeit, kritisch auseinandersetzt.

Im hintersten Raum befinden sich Andreas Gurskys Fotografie Hösel (1984) sowie Roman Signers Installation Blauer Schlauch (2013). Gurskys Fotografie zeigt einen Hausbau mit den vermeintlichen Bauherren auf der Baustelle, während Signers Installation, bestehend aus einem Schlauch, einem Holzbalken und einem Behälter mit blauer Flüssigkeit, eine direkte Perspektive auf die Arbeitsprozesse auf Baustellen vermittelt. Die Konstruktion der Installation wirft die Frage auf, ob der Balken die Flüssigkeit stabil hält oder ob sie umkippen wird. Ebenso wie die Bauherren in Gurskys Fotografie sind die Rezipient*innen von Signers Arbeit den Geschehnissen scheinbar machtlos ausgeliefert.

Die sechs Werke der Serie Select (2023) von Gina Folly bestehen aus einem Rahmen, der je eine Samenmischung enthält und eine Auseinandersetzung mit individuellen und kollektiven Entscheidungen und deren Beeinflussung darstellt. Wie Samentütchen im Baumarkt oft durch ihren geringen Preis auch als sogenannte “Impulsware” direkt an der Kasse erhältlich sind, tauchen die sechs Arbeiten dieser Serie in allen Räumen des Kunstvereins auf. Gleichzeitig findet durch die Titel der Samenmischungen und der jeweiligen Arbeiten eine Klassifizierung statt.

Ebenso wie Gina Follys Arbeiten einen Entscheidungsprozess aufwerfen und sich kritisch mit diesem auseinandersetzen, reflektiert auch die Ausstellung mit ihren renommierten Künstlerinnenpositionen ähnliche Themen. Die Frage nach dem Wert stellt sich hier nicht nur im Kontext der einzelnen Werke, sondern auch im Hinblick auf das handwerkliche Können der Künstlerinnen im Gegensatz zur bloßen Verwendung handelsüblicher Materialien. Ist die Auswahl der renommierten Künstler*innen ein Zeichen dafür, dass es “gut werden muss”?

Die Ausstellung wird gefördert durch die Dr. Hans Feith und Dr. Elisabeth Feith-Stiftung, schweizer kulturstiftung pro helvetia und Danish Arts Foundation.

Fotos: Jakob Otter